Tönnekesdrieter

Um den Begriff Tönnekes-Drieter verständlich zu machen, muß ein Griff zurück in die Geschichte getan werden.

Die Verhältnisse in der nur 100 Hausstellen großen und aus 500 Einwohner bestehenden Stadt waren aus heutiger Sicht eine Katas- trophe. Aus einer Rheinbettverlagerung im 14. Jahrhundert entstand eine Insel, die später Anschluß an das rechtsrheinische Ufer fand und Grund und Boden des Städtchens bildete, aber keine Ausweitung zuließ.

Das wenige Grasland, welches hinter der später erbauten Stadtmauer vorhanden war, wurde zur Bürgerweide erklärt und unter den Hauseigentümern aufgeteilt. So wurden diese zu sogenannten Weideberechtigten. Es war also so, daß das Rindvieh auf die Weide getrieben werden konnte, aber bei dem häufigen Auftreten des Hochwassers auf höher gelegenes Gebiet nach Meiderich verbracht werden mußte.

Die Borstenviehhaltung innerhalb der Stadt brachte wegen des Platzmangels manche Probleme mit sich. Die Ställe befanden sich auf viel zu kleinen Hinterhöfen oder, sofern vorhanden, sogar in den Kellerräumen. Es soll vorgekommen sein, daß die Schweine bei Überflutung des Ortes auf die Dachkammer verwiesen wurden. Der Dung wurde einfach auf die Straße gekippt, die oft nicht mal eine Breite von drei Metern aufwies.

In der Mitte dieser Gassen befand sich eine abfallende Rinne, und je nach Wasserstand der Ruhr oder des Rheines floß die Gülle dann ab.
 

Oder auch nicht !

Bei höherem Wasserstand stand die Jauche mitunter wochenlang in der Stadt. Alle Abwässer aus den Häusern wurden ebenfalls durchs Fenster auf die Gasse geschüttet, denn eine Kanalisation gab es noch nicht.

Um eine solche zu errichten, hätten Deiche gebaut und Pumpwerke errichtet werden müssen. Dazu fehlte es aber an Geld und Technik. So hatte man also die Entsorgung der tierischen Abfälle mehr schlecht als recht geregelt.

Auch der Mensch hatte schon immer seine Bedürfnisse, die gleichfalls einer Klärung bedurften. Hier fand man eine ganz einfache Methode. In einer Hofecke oder wo auch immer wurde ein kleines Faß (Tönneken = mundartlich für Tonne) aufgestellt - und fertig war die Toilette. War das Tönneken voll, wurde es "zur Freude der Schiffer" einfach in den Hafen gekippt.

Die ständigen Beschwerden der Fahrenden veranlaßte den Magistrat, diese Unart zu verbieten und unter Strafe zu stellen. Es wurde ein Fuhrunternehmen aus Dinslaken beauftragt, wöchentlich den Inhalt der Tönnekes abzuholen und dort in der Umgebung auf die Felder zu verteilen. Ob die Ruhrorter für das Abholen ihres Driets bezahlen mußten, ist nicht überliefert aber anzunehmen.

Es kam noch häufig genug vor, daß manch einer sein Tönneken bei Nacht und Nebel einfach weiter in den Hafen entleerte. Um 1900 lagen sich die Ruhrorter und Meidericher Bürger dann auch noch wegen Eingemeindungsfragen in den Haaren.

Die Ruhrschen schimpften die Meidericher Meierksche Hähne und diese revanchierten sich dafür mit Ruhrorter Tönnekes-Drieter.

So kamen die Ruhrorter zu dem wenig schmeichelhaften Namen: die Tönnekes-Drieter

 

Vom Drieter zum D'Ritter !


Aber - was für den Kölner Tünnes un Schäl, die Düsseldorfer ihre Radschläger oder für Münster der Kiepenkerl sind, das ist für Ruhrort der

Tönnekes-Drieter


Eine Ruhrorter Spottfigur, die die Borniertheit, Engstirnigkeit und den Standesdünkel verhöhnt.

Als die 1. Ruhrorter Karnevalsgesellschaft Weiß-Grün von 1950 e.V. daran ging, einen Namen für ihren Gründungs-Orden zu finden, was lag da also näher, als auf die ebenso originelle wie auch für Ruhrort charakteristische Symbolfigur zurückzugreifen.

Und so ziert diese eben auch den begehrtesten Orden Duisburgs, den Tönnekes- D'Ritter-Orden, der nur an Persönlichkeiten verliehen wird, die sich um die kulturelle und heimatliche Brauchtumspflege, insbesondere unseres Hafenstadtteiles, verdient gemacht haben.

Mit der Ausführung des Ordens, nach der Idee des Ruhrorter Kaufmannes <>Karl Uphoff (Mitgründer der Karnevalsgesellschaft), wurde Herr August Fries, früherer Zeichen- lehrer der damaligen Kaiserin-Auguste-Victoria-Schule beauftragt. 1990 - am 17. November - im Jahr des 40. Jubiläums der 1. Ruhrorter Karnevalsge- sellschaft Weiß-Grün von 1950 eV - wurde dieser historisch belegbaren Symbolfigur durch bürgerschaftliches Engagement der Herren Mathias Salger und Klaus Tosse und Dank der tatkräftigen Unterstützung etlicher Ruhrorter Bürger und Freunde des Stadtteils dann auch endlich das wohl verdiente Denkmal gesetzt.

Um es mit einem Augenzwinkern zu bemerken:

Unser Alt-Oberbürgermeister Josef Krings wurde mit der Aufstellung des Bronze-Reliefs nach einem Entwurf von Leo Feltes am Eingang der historischen Ruhr- orter Altstadt von den Weiß-Grünen zum Träger des größten Tönnekes-D'Ri(e)tter-Ordens gemacht. Das ist fast ein Eintrag in das Guiness-Buch der Rekorde, aber hier allemale erwähnenswert.

 

Mit Stolz nennt sich nun Tönnekes-Drieter
in Ruhrort hier ein jeder Schieter.
Ist auch die Tonne Vergangenheit
als Tönnekes-D'Ritter man gern sich einreiht,
denn es zeugt dieser Orden heute
auch vom Engagement diverser Leute.
Wer sich um Karneval und Brauchtum verdient gemacht,
nur dem wird der Orden zugedacht.


auszugsweise: Franz Baumann, Paul Mismahl  /  bearbeitet von: Hanne Dünnwald

 

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